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KBV-Bürokratieabbau: Wo KI-Automatisierung in der Praxis jetzt ansetzen kann

Die KBV benennt konkrete Zeitfresser im Praxisalltag – ein Blick darauf, welche dieser Prozesse sich bereits heute mit KI-gestützten Werkzeugen spürbar entlasten lassen.

Steven Breuer3 Min.

KI-Kennzeichen der EU: KI beteiligtMit KI-Unterstützung erstellt · redaktionell geprüft und verantwortet von Steven Breuer.

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Die Kassenärztliche Bundesvereinigung hat ihre Forderung nach Bürokratieabbau erneut bekräftigt und dabei einen Katalog mit 23 konkreten Maßnahmen vorgelegt, die spürbare Zeitersparnis für Praxen bringen sollen (aerzteblatt.de). Für alle, die täglich in einer Praxis arbeiten, ist das keine Überraschung – Genehmigungsanfragen, Dokumentationspflichten und der Schriftverkehr mit Krankenkassen kosten seit Jahren Zeit, die für Patientenversorgung fehlt. Interessant ist der Vorstoß aus einer anderen Perspektive: Er benennt sehr konkret, an welchen Stellen im Praxisalltag Prozesse strukturiert, wiederholbar und damit grundsätzlich automatisierbar sind.

Politische Forderung vs. technische Realität

Bürokratieabbau auf politischer Ebene bedeutet in der Regel Gesetzesänderungen, neue Vergütungsregeln oder vereinfachte Formulare – Prozesse, die Jahre dauern können, bis sie in der Praxis ankommen. Parallel dazu gibt es aber eine zweite Ebene, auf der Entlastung schon heute möglich ist: die technische. Viele der Aufgaben, die im KBV-Katalog als Zeitfresser auftauchen, folgen erkennbaren Mustern – wiederkehrende Anfragen, standardisierte Prüfvorgänge, strukturierte Kommunikation mit Kostenträgern. Genau solche Muster lassen sich mit KI-gestützten Systemen abbilden, ohne dass eine einzige Verordnung geändert werden muss.

Das heißt nicht, dass Software die politische Forderung ersetzt. Aber sie kann die Lücke zwischen "der Prozess müsste vereinfacht werden" und "der Prozess ist tatsächlich vereinfacht" für einzelne Praxen schon jetzt verkleinern.

Wo Automatisierung konkret ansetzen kann

Drei Bereiche, die typischerweise zu den größten Zeitfressern im Praxisalltag zählen und in denen KI-gestützte Werkzeuge bereits praxistauglich sind:

Anfragen und Prüfverfahren mit Kostenträgern. Ob Genehmigungsanträge, Rückfragen zu Verordnungen oder Anschreiben im Rahmen von Wirtschaftlichkeitsprüfungen – vieles davon folgt festen Formularlogiken und wiederkehrenden Textbausteinen. Sprachmodelle, die auf medizinische und abrechnungstechnische Terminologie trainiert sind, können Entwürfe für solche Schreiben vorbereiten, relevante Patientendaten strukturiert einfügen und so den manuellen Anteil auf eine Kontrolle durch das Praxisteam reduzieren.

Dokumentation während und nach der Konsultation. Ambient-Listening-Systeme, die Arzt-Patienten-Gespräche live erfassen und strukturiert in die Patientenakte übertragen, sind längst keine Zukunftsmusik mehr. Sie ersetzen nicht die fachliche Beurteilung, aber sie verkürzen die Zeit für die Nachdokumentation erheblich – oft die Aufgabe, die am Ende eines Sprechstundentages am meisten Zeit frisst.

Terminmanagement und Praxiskommunikation. Ein nicht unerheblicher Teil der administrativen Last entsteht durch Telefonate: Terminverschiebungen, Rezeptanfragen, Überweisungsnachfragen. KI-gestützte Assistenzsysteme können einen Teil dieser Anfragen vorqualifizieren oder direkt bearbeiten, sodass das Praxispersonal sich auf die Fälle konzentriert, die tatsächlich eine persönliche Einschätzung brauchen.

Was das für Ihre Digitalisierungsplanung bedeutet

Der KBV-Katalog liefert im Grunde eine Priorisierungshilfe, auch wenn er nicht dafür gedacht war. Wenn Sie überlegen, wo Sie mit KI-Unterstützung in Ihrer Praxis anfangen sollten, lohnt sich der Blick auf die Prozesse, die politisch als besonders belastend eingestuft werden – denn diese sind in der Regel auch die am stärksten standardisierten und damit am leichtesten zu automatisierenden.

Praktisch heißt das: Beginnen Sie nicht mit der komplexesten Anwendung, sondern mit dem Prozess, der am häufigsten auftritt und am stärksten nach Schema abläuft. Für viele Praxen ist das die Korrespondenz mit Krankenkassen oder die Dokumentation. Beides lässt sich schrittweise einführen, ohne dass gleich die gesamte Praxisorganisation umgestellt werden muss.

Fazit

Der Bürokratieabbau, den die KBV fordert, wird nicht über Nacht kommen – politische Prozesse brauchen ihre Zeit. Aber die technischen Mittel, um einen Teil der benannten Zeitfresser schon jetzt zu reduzieren, existieren. Wer die eigene Digitalisierungsplanung an den konkret benannten Problemfeldern ausrichtet statt an allgemeinen Trends, investiert dort, wo der Nutzen am schnellsten spürbar wird – unabhängig davon, wann die nächste Reform tatsächlich greift.